Schaffen wir die Wende in der Siedlungsentwicklung und der Mobilität?

30.06.2017
Die zukünftige Entwicklung unserer Städte und unserer Mobilität war das zentrale Thema an der Veranstaltung «Zukunft – Stadt – Mobilität», die die Berner Fachhochschule BFH am 27. Juni 2017 in der Französischen Kirche in Bern organisierte. Eines vorne weg: Die Meinungen waren geteilt. Erläutert wurde die Vision des selbststeuernden, vollautomatisierten, gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugs ebenso wie die Ansicht, dass wir es auch in Zukunft nicht besser wissen werden.


Die Veranstaltung eröffneten Christine Seidler und William Fuhrer, die ab Juli die Leitung des Bereichs Dencity der Berner Fachhochschule BFH von Marco Ryter übernehmen (mehr zu Dencity siehe Kasten). Christine Seidler stellte die Lebensqualität ins Zentrum der Zukunftsvisionen. Sie fragte, «was ist Lebensqualität?» und betonte, dass städtebauliche Veränderungen und Lebensqualität sich gegenseitig aktivieren und nicht ausschliessen sollten. So sei es möglich, sinnvoll zu verdichten.

Die verantwortungsbewusste Vision: Bern ist eine «Stadt der Beteiligung»
Über die Fakten, dass wir in Zukunft weniger Platz haben werden und ressourcenschonender mit unserer Umwelt umgehen sollten, waren sich alle Referierenden einig. Die einzelnen Zukunftsvisionen unterschieden sich aber stark voneinander. Die «Lebensqualität flächendeckend verbessern» nannte der Berner Stadtpräsident, Alec von Graffenried als eines seiner übergeordneten Ziele. Er präsentierte sechs Thesen und fand die Antwort in der Verantwortung: «Jeder einzelne muss Verantwortung übernehmen. Bern ist eine ‹Stadt der Beteiligung›. Wenn jeder einzelne Verantwortung übernimmt, wird die Nachbarschaft gepflegt und starke Quartiere entstehen.»

Die optimistische Vision durch technologischen Fortschritt
Jörg Beckmann von der Mobilitätsakademie, einer Tochterfirma des Touring Clubs Schweiz, sieht die Lösung im technologischen Fortschritt. Er präsentierte die «Autowende» und ist überzeugt, dass wir uns in Zukunft von den heutigen «Rennreiselimousinen» mit gewaltigen Überkapazitäten hin zu selbststeuernden, gemeinschaftlich genutzten «Wellnesswagen» bewegen. Gemäss seiner Vision ersetzt der selbststeuernde, gemeinschaftlich genutzte Wellnesswagen 42 Privatfahrzeuge, macht 90 Prozent der Parkplätze in den Städten überflüssig und schenkt uns allen rund vier Jahre Lebenszeit, die wir aktuell hinter dem Steuer verbringen.

 Die pessimistische Vision: Sind wir bereit unseren Lebensstil zu ändern?
«Fürchtet euch nicht, der selbststeuernde Wagen wird euch befreien. Freuet euch, ihr müsst euren Lebensstil nicht ändern.» So stieg Benedikt Loderer, Stadtwanderer aus Biel, in seine Rede ein – die er passend zum Veranstaltungsort als Predigt gestaltete. Zu schön klang sein einleitendes Versprechen, dass wir uns vom Wohlstand durch noch mehr Wohlstand erlösen könnten. Jäh stellte er der These von Jörg Beckmann seine Sicht der Realität entgegen: «Warum sollen wir teilen? Solange wir es uns leisten können, werden wir unseren Wohlstand bewahren. Die Mobilität der Zukunft ist die der Vergangenheit.» Denn ein Wandel bedinge eine Anpassung des Lebensstils. Sein gesungener Psalm zum Ende der Predigt machte klar: Benedikt Loderer hat grosse Zweifel, dass der Mensch zum Wandel seines Lebensstils wirklich bereit und im Stande ist.

Wir blicken alle in die Kristallkugel
Die Podiumsdiskussion verdeutlichte: Wenn es um die Zukunft geht, ist es schwierig, Prognosen zu treffen. «Wir blicken alle in die Kristallkugel» fasste Jörg Beckmann, die verschiedenen Ansichten zusammen. Einen etwas sicheren Ausblick in seine eigene Zukunft wagte Marco Ryter, der die Leitung des Bereichs Dencity anlässlich der Veranstaltung an William Fuhrer und Christine Seidler übergab. Nach seiner Pensionierung reizt ihn der Beruf des Concierges, der die Vermittlung zwischen Öffentlichkeit und Privatem beinhaltet. Auf welcher Ebene er dies ausüben wird, liess er offen: «in meinem Haus, in meinem Quartier, aber vielleicht auch in der Stadt».

Kontakt
William Fuhrer, Dencity – Kompetenzbereich Urbane Entwicklung und Mobilität
Telefon +41 34 426 41 13
william.fuhrer(at)bfh.ch 

 

Berner Fachhochschule BFH – seit 20 Jahren zukunftsweisend
Die BFH feiert 2017 ihren 20. Geburtstag. Aus diesem Anlass schenkt sie allen Interessierten mit einer Vortragsreihe Einblicke in ihre vielfältigen Tätigkeitsfelder.
bfh.ch/20jahre

 
 

Berner Fachhochschule BFH
Dencity – Kompetenzbereich Urbane Entwicklung und Mobilität
Dencity ist die Plattform der BFH für attraktive Siedlungsentwicklung mit Fokus auf ganzheitliche, nachhaltige Konzepte und Strategien rund um die innere Verdichtung von Stadt- und Agglomerationsräumen. Die gemeinsam mit internen und externen Partnern und Fachspezialisten interdisziplinär erarbeiteten Lösungen sind anwendungsorientiert, lassen sich im Markt unmittelbar integrieren und tragen zu einer attraktiven Gestaltung des Lebensraums bei.
www.dencity.ch
www.ahb.bfh.ch/dencity

 

 
Bilder

Christine Seidler und William Fuhrer eröffnen die Veranstaltung Zukunft – Stadt – Mobilität in der Französischen Kirche in Bern. Alec von Graffenried präsentiert seine Visionen zur Zukunftsentwicklung der Stadt Bern

Jörg Beckmann von der Mobilitätsakademie AG erläutert die Autowende.

Benedikt Loderer, der Stadtwanderer während seiner Predigt zum Wandel der Mobilität.
Die Französische Kirche Bern während der Veranstaltung.Die Podiumsdiskussion mit Alec von Graffenried, Benedikt Loderer, Christine Seidler, Jörg Beckmann und Marco Ryter.

 

Medienmitteilung
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