Die Digitalisierung kommt und geht auch nicht wieder weg

11.12.2017
Von einem Paradigmenwechsel war die Rede an der zweiten Fachveranstaltung «Wald und Holz 4.0», die am 30. November 2017 an der Berner Fachhochschule BFH stattfand. Fachleute aus der Wald- und Holzwirtschaft thematisierten die Auswirkungen der Digitalen Transformation auf die Holzbranchen und stellten Beispiele möglicher Geschäftsmodelle und neuer Technologien entlang der Wertschöpfungskette Holz vor. Die Botschaft der Veranstaltung war klar: Die Digitalisierung kommt und geht auch nicht wieder weg.

Über 80 Vertreterinnen und Vertreter der Waldwirtschaft, der Holzbaubranche, aus der Verwaltung sowie aus Forschung und Entwicklung nahmen am 30. November 2017 an der der zweiten Fachveranstaltung «Wald und Holz 4.0» des BFH-Zentrums Holz – Ressource und Werkstoff an der BFH in Biel teil. Aus den verschiedenen Vorträgen wurde klar: In einigen Bereichen – wie z.B. im Wald oder in der Vorfertigung – ist die Digitalisierung bereits sehr präsent und sichtbar, an anderen Stellen wird die Zukunft noch stärkere Veränderungen bringen.

Nicht um des Digitalisierens willen digitalisieren
In den beiden Inputreferaten zu Beginn der Veranstaltung wiesen Prof. Dr. Jan Marco Leimeister von der Universität St. Gallen sowie Prof. Dr. Patricia Deflorin von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur darauf hin, dass «nicht einfach alles digital werden soll», sondern es darum geht, «smart zu digitalisieren» so Leimeister. Er rät «überall da zu digitalisieren, wo es für den Kunden Sinn macht.» Deflorin unterstützt diese Sicht und ergänzte in ihrem Referat: «Bei der Digitalisierung muss immer ein Nutzen da sein. Wir digitalisieren nicht um des Digitalisierens willen.» Sie rät, nur notwendige Veränderungen anzupacken und schrittweise vorzugehen.

Komplexe Prozesse in der Waldwirtschaft
Der Themenblock Waldwirtschaft befasste sich mit Konzepten der Digitalisierung, die zur Reduktion der komplexen Prozesse in der Waldwirtschaft und zur effizienteren Gestaltung dieser im Forstbereich bereits seit Längerem vorhanden sind. Diese Umsetzungsbeispiele wurden an der Tagung präsentiert. Dr. Rainer Joosten vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen führte die Anwesenden in eine Augmented Reality Welt im Wald, wo der Förster per Knopfdruck Bäume markiert, die bestehen bleiben und jene, die gefällt werden. Das System berechnet dann welches Holz so erwirtschaftet wird und kann sogar mit Holzernte-Maschinen vernetzt werden, welche die Bäume dann automatisch ansteuern und fällen. Dr. Martin Hoppen von der RWTH Aachen sprach über die Konzepte zur Realisierung von Industrie 4.0-Anwendungen in der Waldwirtschaft, die das Institut für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen verfolgt. Prof. Dr. Martin Ziesak von der BFH sprach über sogenannte «cyber physical system» – Systeme, die reale und informationsverarbeitende Objekte verknüpfen und über ein Informationsnetz verbinden. Diese Rolle könnten zukünftig «smarte» Forwarder oder Motorsägen einnehmen.

Werkzeugkasten der Industrie 4.0 für die Holzwirtschaft
Im parallel zum Themenblock Waldwirtschaft geführten Input zur Holzwirtschaft stellte Prof. Dr. Manfred Gronalt von der Universität für Bodenkultur BOKU in Wien einen Werkzeugkasten zur Umsetzung von Industrie 4.0-Gedanken vor. Thomas Lädrach von der Reinhardt Holz AG sprach über die Datenerfassung in der Sägeindustrie, verschiedene digitale Projekte, die umgesetzt und geprüft wurden sowie das Potenzial für eine verbesserte Planung und für Kostenreduktionen. Als dritter Referent des Themenblocks Holzwirtschaft gab Prof. Dr. Heiko Thömen von der BFH einen Überblick über die heutigen Anwendungen in den Bereichen Virtual und Augmented Reality. Er präsentierte seine Vision der digitalen Zukunft: Produkte werden in der virtuellen Realität konfiguriert, die Datenübergabe erfolgt automatisiert an die Produktion und die Montage erfolgt mit Unterstützung von Augmented Reality.

Unternehmen dank Digitalisierung stärken: die Initiative Wald & Holz 4.0
Rolf Baumann von der BFH beleuchtete zum Schluss die Komplexität der digitalen Transformation, die sich aus der Kombination verschiedenster neuer Technologien und Marktveränderungen ergibt. Diese Komplexität war Auslöser für die Initiative Wald & Holz 4.0. Die Initiative fördert, begleitet und unterstützt die Unternehmen in dem tiefgreifenden Wandel der digitalen Transformation. Baumann zeigte den aktuellen Stand und die nächsten Schritte der Initiative auf. Eindrücklich ist die breite Unterstützung durch acht Branchenverbände. Ergebnisse aus dieser Initiative werden an der dritten Fachveranstaltung «Wald und Holz 4.0» präsentiert. Sie findet voraussichtlich im November 2018 statt.
www.wh40.ch

 
Ingo Mayer vom BFH-Zentrum Holz - Ressource und Werkstoff begrüsst die Teilnehmenden zu der Fachveranstaltung «Wald und Holz 4.0»


Jan Marco Leimeister von der Universität St. Gallen


Patricia Deflorin von der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Chur


Rolf Baumann von der BFH informiert über die Initiative «Wald & Holz 4.0»

Medienmitteilung (Word)
Medienmitteilung (PDF)

Weitere Informationen:
Dr. Ingo Mayer, Leiter BFH-Zentrum Holz – Ressource und Werkstoff
+41 32 344 03 43, ingo.mayer(at)bfh.ch

BFH-Zentrum Holz – Ressource und Werkstoff
Das BFH-Zentrum Holz – Ressource und Werkstoff vereint interdisziplinäres Wissen und Kompetenzen über die gesamte Wertschöpfungskette Holz. Von der Gewinnung über die Verwertung und Anwendung des nachwachsenden Rohstoffs entstehen Produkte und Verfahren mit wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem Nutzen.
www.bfh.ch/wood