06/30/16

Kurz nachgefragt: Birgit Neubauer Letsch

Birgit Neubauer-Letsch ist diplomierte Betriebswirtin FH. An der Berner Fachhochschule ist sie Leiterin des Kompetenzbereichs Marktforschung und Management. Frau Neubauer-Letsch wird in ihrem Referat an den windays auf die Entwicklungen und Trends im Schweizer Bau- und Fenstermarkt näher eingehen.  

Sie sind Leiterin des Kompetenzbereichs Marktforschung und Management der Berner Fachhochschule und führen im Auftrag des Schweizerischen Fachverbands Fenster- und Fassadenbranche FFF alle zwei Jahre eine Umfrage zur Marktlage und zu den Unternehmenskennzahlen in der Branche durch. Können Sie uns einige Angaben zum Branchenpanel Fenster 2015 machen?

Mit dem Panel 2015 konnten wir die Angaben von 93 Unternehmen aus allen Grössenklassen und Regionen der Schweiz analysieren, die jährlich eine Fensterfläche von über 1‘200‘000 m2 produzieren und montieren. Die Unternehmen sind sowohl im Neubau als auch im Sanierungsbereich gut positioniert. Die Unternehmensdaten, die streng vertraulich behandelt werden, werden für den FFF mit aktuellen Marktdaten wie den Baubewilligungen der Schweiz abgerundet. Hierzu werten wir für das Panel die Materialwahl im Fensterbereich und die interessantesten Gebäudebereiche aus. Das Gesamtergebnis steht den Mitgliedern des Verbands zur Verfügung, alle weiteren Teilnehmer an der Studie erhalten einen Kurzbericht. 

Was waren besondere Veränderungen in der letzten Befragung gegenüber den Vorjahren?

Im Zeitraum der letzten Befragung waren die Währungsentwicklungen Euro/Franken und die möglichen Konsequenzen für die Schweizer Fensterbranche ein sehr aktuelles und breit diskutiertes Thema. Viele Unternehmen erwarteten daher eine Verschärfung des Wettbewerbs und des Preisdrucks, besonders im Neubaubereich. Wir hatten zu diesem Thema mehrere aktuelle Fragen im Panel ergänzt, unter anderem ob die Unternehmer rückblickend andere Investitionsentscheidungen in den letzten drei Jahren getroffen hätten, aufgrund der aktuellen Frankensituation. Interessanterweise hätten 60% bis 70% der Unternehmen für die Neu- und Erweiterungsinvestitionen als auch für die Ersatzinvestitionen die gleichen Entscheidungen getroffen. Dies zeigt, dass sich die Unternehmer dem Wettbewerb stellen und u.a. in die Effizienzsteigerung investieren. Interessant ist als weiteres Beispiel auch die Entwicklung der Beschäftigtenstruktur im mehrjährigen Vergleich, mit einem steigenden Anteil in den Bereichen Verkauf, Kalkulation und Arbeitsvorbereitung.


Wie schätzen Sie die heutige Lage auf dem Schweizer Fenstermarkt ein?

Wir sehen auf Basis der aktuellen Baubewilligungen, dass die Bauprojekte im Durchschnitt immer grösser werden. Bei einem relativ konstanten Marktvolumen heisst dies, dass es weniger, dafür grössere Projekte gibt, für die die Unternehmen bei Neu- und Umbauten offerieren können. Der Mehrfamilienhausbereich bleibt weiterhin ein wichtiges Marktsegment, da dies für Kapitalanleger weiterhin interessant bleibt, während der Neubau von Einfamilienhäusern eher rückläufig ist. Die Entwicklung bei den Gewerbebauten ist direkter von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung abhängig. Hier werden die nächsten Wochen zeigen, was für das Jahr 2016 noch erwartet werden kann.