07/20/16

«Die Holzspezialisten aus Biel sind exzellent ausgebildet»

Der japanische Stararchitekt Shigeru Ban sprach am diesjährigen Holzbautag in Biel. Im Gespräch mit Thomas Rohner, Prof. für Holzbau und BIM an der BFH-AHB, äussert er sich über unterschiedliche Baukulturen, Ökologie, Entwicklungen in der modernen Architektur und einen Studierendenaustausch mit Tokyo.

Mit Kartonröhren, Holz oder Transportcontainern entwirft Architekt Shigeru Ban (Tokyo, Paris, New York) Bauwerke von eindrücklicher Kraft. Nicht allein Vorzeigebauten für grosse Firmen sondern auch sozial engagierte Bauwerke für Hilfsbedürftige in Krisengebieten sind ihm ein Anliegen. Bei uns bekannt geworden sind vor allem die mit schweizerischer Beteiligung erstellten Bauwerke für ein Golfresort in Südkorea und das Centre Pompidou in Metz (Frankreich) sowie der Neubau der Tamediagruppe in der Stadt Zürich. Derzeit im Bau ist ein grosser Gebäudekomplex für die Omega/Swatch-Gruppe in Biel, der als Holz-Beton-Hybridbau teilweise bereits in Betrieb ist und in den nächsten Jahren fertiggestellt sein wird. Das Bauwerk vereint einen sachlich gestalteten Stockwerkbau für Produktion und Logistik mit einer sich wie ein Drache über einen Platz und Strasse windenden ungewöhnlichen Holzstruktur.

Welche Entwicklungen in der Architektur sehen Sie?
Shigeru Ban: Soziale, gesellschaftliche Aspekte werden wichtiger. Heute sind hauptsächlich die jungen Studierenden dafür offen, soziale Anliegen der Gesellschaft in der Architektur umzusetzen. Zu Zeiten meines Studiums war das noch anders, damals waren Architekten «Stars» ohne zwingenden Dienst an der Gesellschaft.

Wo liegt der Unterschied in der Umsetzung von Architektur zwischen Japan und der Schweiz?
Die Architektur Japans und der Schweiz unterscheidet sich natürlich stark aufgrund der unterschiedlichen Bau- und Gesellschaftskultur. In der Umsetzung der architektonischen Ideen ist vieles in der Schweiz einfacher als im Rest von Europa, das schwierigste Land ist Frankreich, hier stehen nationale Normen noch über den europäischen Normen. Das einfachste Land für mich als Architekt ist Japan.

Gibt es für Sie ein bevorzugtes Material?
Nein, ich arbeite mit allen Materialien, sie müssen aber Sinn machen. Ecofriendly ist ein Modewort, eine Bewegung. Ökologie ist schwierig zu verstehen und umzusetzen, ich vermeide wo immer möglich Materialverschwendung. Ich habe eine hohe Verantwortung, um lokale Materialien zu verwenden und lokale Arbeitskräfte zu berücksichtigen. Ich arbeite sehr gerne mit Holz, denn Formensprache und Materialisierung entsprechen mit Holz meinen Vorstellungen. Zudem sind die heutigen Möglichkeiten in der Umsetzung schier unbegrenzt.

Arbeiten sie auch mit Bambus?
Nein, eigentlich nicht, denn Bambus ist weniger kontrollierbar als Kartonröhren, deren Qualität immer gleichbleibend ist, deren Durchmesser immer konstant sind und deren Oberfläche nie Risse bekommt, wie beim Bambus, wenn er von der Sonne beschienen wird. Die Verbindungen werden meistens mit Holz oder Sperrholz gelöst. Zudem können Kartonröhren auf der ganzen Welt produziert werden, ohne wesentliche Umweltbelastung.

Wie finanzieren Sie Einsätze in Krisengebieten?
Ich mache eigenes Fundraising und mittlerweile habe ich ein weltweites Netzwerk. Ich bin sehr unkompliziert und möchte nicht auf eine staatliche Finanzierung warten, sondern schnell helfen. Meine Studierenden unterstützen mich sehr darin.

Unterscheiden Sie zwischen temporären und permanenten Bauten?
Ob ein Bau temporär oder permanent stehen bleibt, bestimmen die Menschen, die den Bau «zerstören». Wenn ein Bau eine definierte Zeitspanne stehen bleibt, als Beispiel ein Messe-Pavillon, dann ist es mir ein Anliegen, möglichst keinen industriellen Abfall zu hinterlassen.

Wie unterrichten Sie Ihre Studierenden?
Alle zwei Wochen unterrichte ich in Tokyo. Ich halte einen klassischen Unterricht, bringe aber gerne die Studierenden schnell ins Feld. Ich wäre sehr interessiert am Austausch von Studierenden aus Tokyo und der BFH-AHB, denn die Holz-Spezialisten aus Biel sind exzellent ausbildet und haben einen guten Ruf. Die Kurse müssten aber in englischer Sprache sein.*

Mit der CARTA COLLECTION haben Sie auch eine eigene Möbellinie, wie kam es dazu?
Die ersten Möbel habe ich für mein Privathaus und das Miyake Design Studio Gallery in Tokio entworfen. Es ist eine konsequente Weiterführung meiner Architektur.


*Anmerkung: Das ist in den Master-Studiengängen der BFH-AHB gegeben.

Das Interview mit Shigeru Ban führte Thomas Rohner am 11. Mai 2016 anlässlich des Vortrages von Shigeru Ban am Holzbautag 2016 in Biel, der unter dem Motto «Architektur mit Holz» stand. Thomas Rohner ist Professor für Holzbau und BIM und Leiter des Fachbereichs Holz an der Berner Fachhochschule, Architektur, Holz und Bau.

Einleitungstext: Charles von Büren

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