Digital vernetzt zum künftigen Holzbau - Interview mit Enrico Uffer, Uffer AG


Enrico Uffer, Uffer AG
(c) Uffer AG
Das neue CAS «Digitale Vernetzung im Holzbau» der Berner Fachhochschule (BFH) verweist in die Zukunft des Bauens mit Holz. Zu lernen ist, wie digitale Prozesse in Entwurf, Planung, Ausführung, Bewirtschaftung und Umbau zu beherrschen sind und welche Chancen und Potentiale sich daraus für den Holzbau ergeben. Fachjournalist Charles von Büren und Thomas Rohner, Studienleiter und Prof. für Holzbau und BIM an der BFH im Gespräch mit Enrico Uffer.

Im Gespräch betont der Geschäftsleiter der Uffer AG in Savognin, Enrico Uffer: «Bei der Uffer AG wird Know-how nicht als Zustand sondern als laufender Prozess verstanden.» Die Firma Uffer arbeitet als Unternehmungsverbund schwergewichtig im Bereich Holzbau, aber auch als Baumeister, Gipser und generell für Planung, Bauleitung und Energiekonzepte als General- und Totalunternehmen.  Wer innovative Lösungen anstrebt, muss offen für andere Standpunkte, nachhaltige Ansätze und neue Produkte sein. Uffer arbeitet in einem Netzwerk mit Technologie-Leadern aus den Bereichen Bau-, Energie- und Haustechnik. Ein Anliegen sind schnelle interne Wege und ein umfassendes Wissen, die vereinfachte Abläufe rund um das Bauen ermöglichen.

Leitobjekt für praxisnahe Weiterbildung

Für den Weiterbildungskurs «Digitale Vernetzung im Holzbau» hat die Firma Uffer ein Leitobjekt mit sämtlichen Daten zu Architektur, HLKS-Planung, Statik-, Bauphysik-, Brandschutzkonzept, Holzkonstruktion sowie die CNC-Daten zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein Hotel in Modulbauweise, «Bever Lodge», ein Objekt das Betrachtungen und Berechnungen am einzelnen Modul oder am gesamten Gebäude zulässt. Das Leitobjekt zieht sich als roter Faden durch den ganzen Weiterbildungskurs. Die Dozierenden aus Lehre, Wirtschaft und Forschung referenzieren ihre Inhalte am Leitobjekt und schaffen so für die Teilnehmenden einen systematischen und kontinuierlichen Wissensaufbau – ein grosses Plus für die Kursteilnehmer. Der Kurs richtet sich an Kaderleute aus Architektur, Holzbau, Ingenieurwesen, Projektmanagement und Produktionsleitung, die anspruchsvolle Aufgaben im Holzbau übernehmen.


Bever Lodge
(c) Uffer AG

Digitale Baukultur auf der Basis von Tradition und Handwerk
Für den Werkplatz Schweiz sind die Digitalisierung und die Industrialisierung die grosse Chance, alle Prozessketten vom wachsenden Baum bis zum fein verarbeiteten Wohnmodul zu optimieren. Es ergibt sich eine digitale Baukultur basierend auf Tradition, Handwerk und einheimischen Werkstoffen. Der Fachjournalist Charles von Büren und Thomas Rohner, Studienleiter CAS Digitale Vernetzung und Prof. für Holzbau und BIM an der BFH haben mit dem Unternehmer Enrico Uffer über die Digitalisierung im Holzbau gesprochen:

Seit wann ist der Begriff der digitalen Vernetzung für Sie, Herr Uffer, als Unternehmer eine Realität im Berufsalltag?
Die Vertreter der Holzbranchen in der Schweiz sind grundsätzlich «Prototypbauer», im Denken wie im Handeln. Das hat viel mit Tradition und Berufsstolz zu tun. Zurückschauend war es ein laufender Prozess der nun schon seit mehr als zehn Jahren läuft. Wir haben uns immer gefragt, was kommt nach der Einführung von CAD, CNC, CAM? Wie könnte diese digitale Entwicklung einen zusätzlichen Mehrwert erzeugen?

Haben Sie eine entsprechende Ausbildung absolviert?

Ich habe wie die meisten in unserer Branche eine klassische technische Ausbildung mit betriebswirtschaftlichem Nachdiplomstudium erlebt. Diese Kompetenzen miteinander zu verschmelzen ist Teil der täglichen Praxisarbeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die digitale Vernetzung diesen Prozess in Zukunft beschleunigen wird.

Wären Sie bereit gewesen, einen Kurs wie ihn die AHB jetzt anbietet zu besuchen?

Ja, auf jeden Fall. Der Lektionenplan ist sehr abwechslungsreich gestaltet und verspricht viele spannende Einblicke in die Vernetzung der digitalen Welten.

Ist das Thema Digitale Vernetzung vor allem für Holzbauer und Unternehmer wichtig. Oder auch für Architekten und Ingenieure?

Die digitale Vernetzung ist vor allem dann spannend, wenn sie in der ganzen Prozesstiefe zur Geltung kommt. Nur so ist eine Effizienz- und Qualitätssteigerung überhaupt möglich. Wenn die Vernetzung dann auch noch branchenübergreifend funktioniert und alle Prozesse über das Gesamtwerk funktionieren, sind wir gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Aber Hand aufs Herz – das ist noch ein langer Weg.  


Raummodul-Fertigung: Einbau von HLKS-Elementen.

Welches sind in Stichworten die Vorteile von Kenntnissen zur Digitalen Vernetzung im beruflichen Alltag?

  • einfache und klar strukturierte Kommunikation
  • Steigerung der Planungssicherheit
  • einfache Überwachung der Prozesse
  • Verknüpfung der CAD/CNC Daten mit Zeit, Kosten und Prozesse
  • Steigerung der Effizienz durch Vermeidung von Schnittstellenproblemen

Wer die digitalen Prozesse beherrscht, übernimmt künftig eine zentrale Rolle im Planungsteam. Welche Chancen und neue Rollen sehen Sie für den Holzbauingenieur und den Holzbauer und welche Anforderungen werden künftig an diese gestellt?

Die Chancen, bereits im Planungsteam eine führende Funktion zu übernehmen, steigen mit der Zunahme der Komplexität der Aufgaben. Wenn die Evaluation nicht mehr in der Submissionsphase über den Preis, sondern bereits viel früher über die Qualität der Dienstleistungen erfolgt, ist das immer ein Vorteil. Ein breites und vernetztes Fachwissen, welches vielfach bereits bei der Positionierung der strategischen Geschäftsfelder beginnt, ist in der Holzbaubranche sehr ausgeprägt. «Schnelldenken» und «Machermentalität» sind aber auch mit digitalen Prozessen nicht zu ersetzen.

Wie beurteilen Sie den Ansatz der Berner Fachhochschule, den neuen Weiterbildungskurs anhand eines konkreten, realisierten Leitobjekts aufzubauen?

Es ist natürlich ein Vorteil wenn Praxisbeispiele die Leitplanken setzen. Abschliessend ist es immer aufschlussreich, die in der Theorie gewählten Ansätze mit der tatsächlich umgesetzten Lösung zu vergleichen. Das macht die Analyse der eigenen Arbeit einfacher.


Text: Charles von Büren
Interview: Charles von Büren und Thomas Rohner 

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