Bauen mit Agrarprodukten

Die Berner Fachhochschule produziert Bauplatten aus Reis, Mais und anderen vegetabilen Landwirtschaftsprodukten aus Nigeria

Reststoffe aus landwirtschaftlichem Anbau haben unkonventionelles Potenzial: Ein Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule untersucht Möglichkeiten, wie künftig vegetabile Landwirtschaftsprodukte kostengünstig verarbeitet im Baugewerbe eingesetzt werden können. Vor allem wirtschaftlich arme Länder wie Nigeria könnten davon profitieren, wenn einheimiche Agrarprodukte künftig innovativ umgenutzt und wiederverwertet würden.

Forschungsschwerpunkt

Holztechnik und Verbundbau

Forschungsfeld

Werkstoffe und Holztechnologie

Förderorganisation

DEZA

Projektziel

Die Herstellung von Verbundplatten aus landwirtschaftlichen Reststoffen und die Beschreibung ihrer Eigenschaften. Vergleiche mit EN-Normen für Baustoffe und die Bestimmung von Einsatzmöglichkeiten.

Kernkompetenzen

Herstellung von Verbundplatten, Tannin-Technologie

Projektpartner/Forschungsinstitutionen Department of Architecture, Ahmadu Bello University, Zaria, http://abu.edu.ng/
Department of Architecture, University of Nigeria, Enugu, http://unn.edu.ng

Maiskolben, Reishülsen und Erdnussschalen
Das im Jahr 2011 mit dem Holcim-Award preisgekrönte Projekt befasst sich mit der Verarbeitung von wiederverwertbaren landwirtschaftlichen Ressourcen zu Bauplatten. Entstanden ist das Projekt aus der Idee heraus, in Nigeria preisgünstige Wohnungen zu erstellen. Die Bauplatten aus landwirtschaftlichen Reststoffen sollen in Nigeria zur Erstellung von erschwinglichem Wohnraum eingesetzt werden.

Recycling-Bauplatten statt Zementblöcke
Der Grossteil der Bauten in Nigeria wird mit Zementblöcken erstellt. Das Gemisch von Sand und Zement muss teuer importiert werden und ist zudem häufig von schlechter Qualität und kurzer Lebensdauer. Als Fachhochschule mit Kompetenzen in der Architektur, im Bauingenieurwesen und der Holzwerkstoffherstellung, setzte sich das Projektteam unter der Leitung von Charles Job, Professor für Entwurfstheorie in der Architekturausbildung, zum Ziel, das Problem der schlechten und relativ teuren Bausubstanz von Grund auf anzugehen und aus den lokal vorhandenen Ressourcen neue Baumaterialien zu entwickeln. Die Laborarbeiten fanden zusammen mit Partnern von nigerianischen Universitäten in Enugu und Zaria unter der Koordination von Andreas Rosenkranz statt. Andreas Rosenkranz ist Forschungsassistent an der Berner Fachhochschule. Er schloss im Rahmen des Projekts seine Masterthesis ab.

Das Forscherteam unter Andreas Rosenkranz begutachtet erste Resultate. In einem ersten Schritt analysierten die Forscher letztes Jahr Maiskolben, Reishülsen sowie Erdnussschalen auf ihre Eignung zur Herstellung von Bauplatten.

Verbinden mit natürlichem Klebestoff
Die Produktion von Plattenmaterial aus Reststoffen wie Mais oder Reis ist bereits bekannt und in der Literatur gut dokumentiert. Meist werden allerdings Versuche mit synthetischen Klebstoffen beschrieben. Der Einsatz von Tannin wird von den Spezialistinnen und Spezialisten der BFH in unterschiedlichen Anwendungen erforsch. Tannin zeichnet sich dadurch aus, dass es natürlich gewonnen und formaldehydfrei verarbeitet werden kann.
Innerhalb weniger Monaten nach Forschungsbeginn konnten die Forscher bei Maiskolben erste trendweisende Resultate vorweisen. Die entwickelten Platten wurden diversen Tests unterzogen und mit den durch die EN Standards für Baumaterial vorgegebenen Richtwerten verglichen.

Nächste Schritte

Laufende Abklärungen
Um das Produkt in Nigeria einzuführen, sucht das Projektteam einen Partner vor Ort. Hierfür soll ein Prototyphaus gebaut werden, um das Potenzial des neuen Werkstoffs breiter bekannt zu machen. Parallel dazu finden zurzeit in Mauritius verbindliche Gespräche mit einem Investor statt. Und auf den Philippinien deuten Verhandlungen auf eine enge Zusammenarbeit mit einer weiteren Universität hin.

Laufende Teilprojekte
Die Idee fand auch in Ghana Gefallen. Hier baut das Forestry Research Institute ein Labor, welches der Herstellung von Holzwerkstoffplatten dient. Auch in der Schweiz forscht die Berner Fachhochschule mit vegetabilen Bauplatten mit einheimischen landwirschaftlichen Reststoffen. Als mittelfristiges Ziel ist die Pilotproduktion solcher Bauplatten in der Schweiz geplant.

Charles Job Professor BFH, dipl. Architekt RIBA
Frédéric Pichelin Dr. rer. nat., Leiter Einheit Werkstoffe und Holztechnologie
Andreas Rosenkranz Wissenschaftlicher Assistent

Projektleitung
Andreas Rosenkranz

 

 

 

Acknowledgeprize für die Region Afrika und Naher Osten
Ein Forschungsteam der Berner Fachhochschule (BFH) hat im September 2011 einen Acknowledgement Prize des internationalen Holcim Awards für die Region Afrika Naher Osten gewonnen. Der Preis, der herausragende Projekte im nachhaltigen Bauen auszeichnet, ist mit US-Dollar 18’750.– dotiert.

(Holzzentralblatt; 14.10.2011)
Reishülsen, Maiskolben und Erdnussschalten als Plattenrohstoff
Internationaler Holcim-Award für Forschungsteam der Berner Fachochschule - wieder verwertbare landwirtschaftliche Ressourcen zu Bauplatten

(Schöner Wohnen; 1.10.2012)
ERDNUSS, MAIS & REIS
Der Zürcher Designer und Architekt Charles 0. Job, bekannt für seine formschönen
wie praktischen Möbel, hat mit der Berner Fachhochschule ein ausgezeichnetes Projektzwischen der Schweiz und Afrika ins Leben gerufen.

(Bieler Tagblatt; 20.09.2011)
Wie Reststoffe zu Baumaterial werden
Einen internationalen Preis erhalten hat die Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau. Das ausgezeichnete Projekt befasst sich mit der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Reststoffen zu Bauplatten in Nigeria.

(Journal du Jura; 17.09.2011)
Prix international
Maisons bâties en résidus agricoles

(Bilanz home; 25.03.2011)
«Bauplatten aus Abfall»
Charles Job will ökologisches, günstiges Baumaterial für den Hausbau in Nigeria entwickeln. Der Innovator über erste Erfolge, das Potenzial des neuen Werkstoffs und den Nutzen für die Schweiz.

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Kontakt

Dr. Frédéric Pichelin
T +41 32 344 03 42
frederic.pichelin(at)bfh.ch