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Tagung – Neue Perspektiven in der Holzverklebung: Von der Vision zur Forschung und zur Anwendung in der Praxis

05.10.2017
Am Mittwoch, 27. September führte die Berner Fachhochschule zum ersten Mal die Fachtagung «Neue Perspektiven in der Holzverklebung durch». Rund 90 Teilnehmende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum fuhren nach Biel um den spannenden Ausführungen verschiedener Referenten aus Wirtschaft und Forschung zu folgen.


Dass Prof. Hermann Blumer ein Visionär mit einer grossen Leidenschaft für Holz ist, hat er an der Fachtagung «Neue Perspektiven in der Holverklebung» einmal mehr bewiesen. Bezogen insbesondere auf Holzklebstoffe geht er davon aus, dass diese in Zukunft als Brandverzögerer, Pilzhemmer, Holzwurmbarriere oder gar Duftquelle wahrgenommen werden. Bis es jedoch soweit ist, stehen der Holzverklebungsbranche noch grosse Aufgaben bevor.

Laubholz im Vormarsch
Eine neue Herausforderung in der Holzbranche ist der vermehrte Einsatz von Laubholz.Die Statistik des Bayrischen Staatsforst zeigt auf, dass im Jahr 2015 ¾ der Holzbestände Nadelholz und ¼ Laubholz war, das Aussaatverhältnis zu jenem Zeitpunkt war jedoch genau umgekehrt. Dieser Trend lässt sich auch in der Schweiz und in weiteren europäischen Ländern beobachten. Durch Laubhölzer ergeben sich im Holzbau neue Möglichkeiten, sie bedingen jedoch auch eine auf Laubholz angepasste Be- und Verarbeitungstechnologie.

Prof. Dr. Peter Niemz von der Berner Fachhochschule (BFH) zeigte in seinem Referat auf, welche drei Parameter in der Holzverklebung relevant sind. Dies sind das Holz (Dichte, Inhaltstoffe), der Klebstoff (z.B. chemische Zusammensetzung, Viskosität) und die Technologie (Pressdruck, Presszeit). An der BFH laufen diverse Forschungsprojekte um neue Klebstoffe, insbesondere für die wichtigen Laubhölzer Buche und Esche, zu entwickeln und die Verfahren zu optimieren.

So forscht die BFH in Zusammenarbeit mit der Collano AG im Rahmen eines KTI Projektesan einer 2K-PUR Technologie, welche für Nadelhölzer ebenso wie für Laubhölzer geeignet ist. Verschiedene Vergleichtests an Fichte und Buche haben bisher gute Resultate in Bezug auf die Vielzahl an Variationsmöglichkeiten, die Mindestfeuchte des Holzes und die Klebfugenfestigkeit ergeben. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, bei Collano ist man optimistisch mit der 2K-PUR Technologie ein Produkt zu entwickeln, welches vielseitig einsetzbar ist.

Auch die Henkel & Cie AG forscht zusammen mit Instituten und Hochschulen unter anderem mit der BFH an innovativen Klebstoffen auf Basis von 1K-PUR. Henkel arbeitet mit verschiedenen Holzarten (z.B. Buche, Esche, Lärche) sowie mit auf die Verarbeitungsgeschwindigkeiten angepassten 1K-PUR Systemen.

Klebstoffe auch in den Teilbranchen ein wichtiges Thema
Auch wenn der Holzbau derzeit einen starken Aufschwung erlebt und besonders für Klebungen von Vollholz und die Herstellung von Bauelementen neue Klebstofflösungen gesucht werden, ist man auch in anderen Bereichen der Holzbranche innovativ unterwegs. Timm Schulze vom Traditionsunternehmen Jowat AG gab in seinem Referat einen Überblick der vielfältigen Einsatzgebiete der Klebstoffe in der Möbelindustrie.In der Möbelindustrie gibt es neben technischen auch hohe optische Anforderungen an die Holzprodukte. Insbesondere stellt die Haftung von Schmalflächen an Möbeln mit erhöhter Feuchteexposition (Küchen und Bäder) eine Herausforderung dar.Hierfür führte Jowat eine Prüfreihe zwischen PUR-HM Verklebungen und der Laserkantentechnologie durch. Untersucht wurde unter anderem der Schälwiderstand, die Wasserdampfbeständigkeit sowie die Dickenquellung mittels einem Tauchtest. Die Resultate zeigten auf, dass moderne PUR-Schmelzklebstoffe die optischen und technischen Anforderungen der Küchenmöbelindustrie am besten erfüllen.

Eine weitere grosse Teilbranche ist die Fenster- und Fassadenbranche. Die BFH stellte an der Tagung das Forschungsprojekt «Holz und Glas im Fensterbau» vor. Der Trend hin zu grossformatigen Fassadenelementen und dem vermehrten Einsatz von 3-fachIsoliergläsern stellt Fenster- und Fassadenbauer vor neue Aufgaben, insbesondere in Bezug auf die thermischen Eigenschaften und die Handhabung eines Glaswechsels nach einem Bruch.

Von der Vision zu neuen Technologien
Prof. Hermann Blumer hat mit seinen Projekten, wie dem Centre Pompidou in Metz,dem Golf-Ressort in Südkorea oder dem in Bau befindlichen Gebäude von Omega in Biel bereits gezeigt, was im Holzbau möglich ist. Visionäre Zukunftsprojekte erlauben mittels Verklebungen Tragwerke mit bisher unvorstellbaren Spannweiten zu bauen und somit das Spektrum der Anwendungen im Holzbau noch massiv zu erweitern.Hierfür braucht es weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung,innovative Unternehmen, neue Verklebungstechnologien und eine grosse Leidenschaft für das Holz.

Dr. Frederic Pichelin, Leiter des Institutes für Werkstoffe und Holztechnologe kündigte an, dass die nächste Fachtagung zum Thema Holverklebung am 31. Oktober 2018 in Biel stattfinden wird. Danach ist ein 2-jähriger Rhythmus in Abstimmung mit der Tagung zur Holzverklebung in Würzburg geplant.


Prof. Hermann Blumer während seinem Referat an der Tagung «Neue Perspektiven in der Holzverklebung»
Foto: Berner Fachhochschule BFH

Rund 90 Teilnehmende aus dem deutschsprachigen Raum nahmen an der Tagung in Biel teil
Foto: Berner Fachhochschule BFH

Vorgestellt wurden Projekte aus der Wirtschaft und Forschung
Foto: Berner Fachhochschule BFH

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