«BIM wird sich durchsetzen»

Thomas Rohner, Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule BFH, spricht über die Bauweise der Zukunft und die Entwicklungen in der (Holz-)Baubranche.

Herr Rohner, Building Information Modeling, kurz BIM, ist heute neben Digitalisierung, Industrie 4.0 und Internet der Dinge in aller Munde. Was steckt genau dahinter?

Building Information Modeling ist eine Methode, die über ein zentrales Modell des Gebäudes die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung des Gebäudes optimiert. Alle relevanten Gebäude- und Prozessdaten werden digital erfasst, kombiniert und vernetzt. Das Planungsmodell und die stets aktuellen Daten stehen während des ganzen Planungsprozesses allen am Bau beteiligten Fachdisziplinen zur Verfügung.

Wo liegen die Vorteile von BIM?

Mit BIM kann ein virtueller Zwilling gebaut werden, bevor es auf die reale Baustelle geht. So zeigen sich mögliche Probleme, die beim Bau auftauchen können, bereits im Modell. BIM hat ein ungeheures Potenzial: Durch die digitale Vernetzung und optimal aufeinander abgestimmte Prozesse entstehen weniger Fehler, dies ermöglicht wertvolle Zeit- und Kosteneinsparungen.

Und was versteht man unter Open oder Closed BIM, Little oder Big BIM?

Open BIM basiert auf Daten und Formaten verschiedener Softwarefirmen. Closed BIM bewegt sich nur innerhalb einer Softwarefamilie. Little BIM ist eine Insellösung für einzelne, spezifische Aufgaben. Im Gegensatz dazu deckt Big BIM die durchgängige Nutzung digitaler Gebäudemodelle über alle Disziplinen und Lebenszyklen hinweg ab.

Es braucht also eine Investition in Software und ein vernetztes System?

In den späten 1980er-Jahren begannen Wissenschaftler ein einheitliches Datenformat zu entwickeln. Die Idee der «Produktmodellierung», welche die Geometrie und die Semantik der einzelnen Bestandteile enthält, bekam den Namen IFC, Industry Foundation Classes. Alle Gewerke werden miteinander vernetzt, jede Bauphase kann kontrolliert und ausgewertet werden. Ja, es braucht personelle und finanzielle Investitionen in Form von Bildung, Skills Training, Hard- und Software.

Das klingt sehr komplex.

Bauen nach BIM verlangt eine Koordination, basierend auf einer BIM-Plattform, definiert durch eine BIM-Sprache und gesteuert durch eine Austauschstrategie (IDM=Information Delivery Manual). Die BIM-Methode ist nur beherrschbar unter dem Aspekt des LOD (Level Of Detail oder Level of Development): Jeder involvierte Partner muss zum richtigen Zeitpunkt die für ihn massgebenden Daten zur Verfügung haben. Im CAS Digitale Vernetzung im Holzbau der BFH bilden wir Fachpersonen aus, die in der Lage sind, die Funktion eines BIM-Koordinators zu übernehmen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei diesem Weiterbildungsstudiengang?

Wir vermitteln hauptsächlich Methodenkompetenz im durchgängigen Umgang mit digitalen Medien und Techniken im Holzbau. Damit entsprechen wir den Entwicklungen in der Baubranche. Die Bauweise der Zukunft basiert auf Vernetzung, Lebenszyklen, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit. Die Planung, Fertigung, Montage sowie der Unterhalt werden durchgängig digitalisiert.

Neben Weiterbildungen bietet die BFH auch Bachelor- und Masterstudiengänge für Architektinnen, Bauingenieure und Holzbauingenieurinnen an. Wie fit sind ihre Studierenden in den digitalen Themen?

Die digitale Vernetzung wirkt global und führt dazu, dass sich die Bauprozesse und der Informationsaustausch stetig entwickeln und verändern. In der Lehre entwickeln wir die Lerninhalte laufend weiter. Wir vermitteln unseren Studierenden Methodenkompetenz in der Digitalisierung (fit4BIM). So sind sie in der Lage, einen zentralen Beitrag in der Digitalisierung in der Baubranche und in der Forschung zu übernehmen und verändernde Bedingungen mitzusteuern.

Sie sind gelernter Zimmermann, im Holzbau zu Hause. Wo steht die Holzbranche heute in Bezug auf die Digitalisierung?

Der Holzbau ist das modernste Gewerk der Baubranche. Diese Stärke entstand aus einer Schwäche heraus: Der Holzbau ist eine Trockenbauweise und sollte nicht nass werden. Die Vorfertigung hat den Holzbau wetterunabhängig gemacht. Sie ist ohne Digitalisierung und Technologisierung undenkbar, da in einem Holzelement alles enthalten ist, auch die ganze Haustechnik. Heute stehen wir aber vor neuen Herausforderungen: Die digitale Transformation hat tiefgreifende Änderungen in unse­ren Prozessabläufen ausgelöst. Diese bieten auch Chancen. Dabei stellt sich die Frage, wie Unternehmen im Umfeld dieser Verän­derungen agieren können, um den Wandel erfolgreich zu gestalten und gestärkt aus ihm hervorzugehen. Die von der BFH koordinierte Initiative Wald & Holz 4.0 fördert und begleitet die Unternehmen der Wald- und Holzbranche in diesem Wandel.

Herr Rohner, wie sehen Sie die Zukunft?

Ich bin überzeugt, dass sich BIM in Zukunft überall durchsetzen wird, weil die Methode klare Vorteile bietet. Die Digitalisierung sichert den Werkplatz Schweiz. In der Holzkette kann die Digitalisierung – vom Baum bis zum gebauten Haus – alle Wertschöpfungsprozesse optimieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit kleiner, Schweizer Betriebe sichern. Durch die Einbindung des IoT (Internet of Things) zum Beispiel in Smart Home Steuerungen wird das Bauen noch einmal radikal verändert und vereinfacht.

Mehr Informationen CAS Digitale Vernetzung im Holzbau 

Zur Person

Thomas Rohner leitet seit 2015 den Fachbereich Holz der BFH. Seine Leidenschaft für das Holz entdeckte er während der Lehre zum Zimmermann. Danach folgten ein Holzbauingenieurstudium an der heutigen BFH in Biel und die Gründung der Firma «cadwork informatik, Thomas Rohner», die er während 20 Jahre leitete. 2015 kehrte er als Professor für Holzbau und BIM sowie Leiter des Fachbereichs Holz an die BFH zurück.


Thomas Rohner
Professor für Holzbau und BIM
Studienleiter CAS Digitale Vernetzung im Holzbau

 

Robotergestützte Fabrikation einer Baugruppe im Technologiepark Biel
(NFP66-Projekt mit der ETH Zürich).

 

Raummodul-Fertigung von HLKS-Elementen.