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Vom parametrischen Entwurf nahtlos in die Produktion

11.05.2017
Architekturstudent findet effizienten Weg für die maschinelle Produktion von frei verformbaren, architektonischen Baukörpern.



V.l.n.r.: Tobias Fehr, Anina Jaussi, Andreas Ferrazzini, Miro Bannwart, Amon Mueller

Rund zwei Jahre lang hat der Architekturstudent Miro Bannwart computerbasierte Methoden erforscht, mit dem Ziel, fliessende, architektonische Formen entwerfen zu können, die gleichzeitig auch maschinell herstellbar sind. Dabei hat er einen Weg gefunden, bei dem doppelt gekrümmte konkave und konvexe Grundformen in stark vereinfachte, ebene Einzelteile aufgelöst werden und aus gleichförmigen Einzelbalken produziert werden können.

Das erste realisierte Bauwerk ist eine Kuppel, die mit Unterstützung von Wirtschaftspartnern produziert und in Teamarbeit mit Mitstudierenden aufgebaut wurde.

Der Gravitational Pavilion steht auf dem Gelände der Berner Fachhochschule in Burgdorf, Pestalozzistrasse 20. Er kann kann frei besichtigt werden. Auf Anfrage steht Miro Bannwart für eine Begehung zur Verfügung: miro.bannwart(at)students.bfh.ch 


Ausführliche Information zum Thema und zum Pavillon:
miro.vision
karamba3d.com


Kommentar der Dozierenden Jaques Wüthrich, Albin Zellweger und Kai Strehlke
Die drei Dozenten der Berner Fachhochschule forschen und lehren zum Thema Gestaltung und digitale Prozesse.   

 

Albin Zellweger
Leiter Modulgruppe Systeme und Gestaltung
Professor für Gestaltung und digitale Prozesse

Der „Gravitational Pavillion“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, was heute im Bauen grundsätzlich möglich ist. Hier basiert die Formfindung auf einem räumlichen und sogar dynamischen, digitalen Objekt. Somit können beliebige Varianten live und aus allen Perspektiven beurteilt werden. Als gestaltender Erfinder hat Miro Bannwart Abhängigkeiten und Randbedingungen definiert und sich anschliessend für eine Form entschieden. Sobald die gewünschte Form feststeht, wird für die Produzenten automatisch eine Stückliste erstellt. Als analogen Output liefert eine Abbundmaschine die entsprechend bearbeiteten Einzelteile, die dann am Ende von Hand zusammengefügt werden.

Jaques Wüthrich
Dozent für Gestaltung

Miro Bannwart hat einen aussergewöhnlich intensiven Weg hinter sich. Als Student mit Zimmermanns-Hintergrund tat er sich zuerst sehr schwer mit digitalen Tools und architektonischem Denken. Nach der Bewältigung der Anfangshürden hat er das Potenzial der digitalen Kette erfasst, sich ein klares Ziel gesetzt und dieses zäh verfolgt: Das Realisieren einer frei verformten Kuppel. Er hat seine planerischen Hilfsmittel so erweitert, dass er die Konzeption sowie die Ausgabe auf Maschinen in den Griff bekam, ohne sich in Details zu verlieren. Dank guten sozialen Kontakten konnte er ein Team mobilisieren, das ihn bei der Montage unterstützte. Einen besten Dank an alle Beteiligten!

Dr. Kai Strehlke
Dozent für Gestaltung und digitale Prozesse

Miro Bannwart’s „Gravitational Pavillion“ ist die beeindruckende Leistung eines Studenten der Berner Fachhochschule. Sein Pavillon ist ein exzellentes Beispiel einer digitalen Prozesskette, die vom Entwurf bis zur Realisation Cutting Edge-Technologie einsetzt. Hervorzuheben ist, dass Miro Bannwart für die Umsetzung einen Partner in der Schweizer Holzindustrie gefunden hat, der seinen Entwurf mit neuster Technologie umsetzte. Diese Arbeit zeigt exemplarisch, wie Projekte zwischen Fachhochschule und Industrie entstehen können.

 

 

Kommentar der Firma Krüsi Maschinenbau AG

Miro Bannwart lernten wir auf der Holz 2016 in Basel kennen. Er kam damals an unseren Stand und stellte sein Projekt vor, wie mit Rhino und Grasshoper, ohne grossen Aufwand, ein „GravitationalPavilion“ erstellt werden kann. Wir waren sofort überzeugt, da dieses System zukunftsorientierte Methoden aufwies (automatische Konstruktion).

Die Krüsi Maschinenbau AG als Hersteller von Holzabbund CNC Maschinen hat Miro Bannwart die Maschine zur Verfügung gestellt. Für die Schnittstelle CAD-CAM musste lediglich seine Rhino Datei in eine BTL-Datei konvertieren werden. Diese konnten wir in unserem CAM System importieren, so dass ein vollautomatischer Abbund erfolgte (kein Programmieraufwand).
Für den Abbund haben wir fünf Tage zu je zirka sechs Stunden benötigt, um den Pavillon zu fertigen.

Messestand an der Ligna Hannover: Für den Messestand der Firma Krüsi entwarf Miro Bannwart nach der gleichen Methode eine weitere Schale, zusammen mit Marcel Duong – zu sehen an der Ligna Hannover, Weltleitmesse für die Forst- und Holzwirtschaft, 22. – 26. Mai 2017, Halle 13, Stand G26

 

Zur Person

Miro Bannwart
Student

Miro Bannwart (29) ist gelernter Zimmermann und studiert im 3. Jahr Architektur an der Berner Fachhochschule.

 

 

Unterstützung

Krüsi Maschinenbau AG, Schönengrund
Bereitstellen des Abbundcenters, Produktionsunterstützung
kruesi-ag.ch

Treppenbau.ch AG, Bazenheid
Bereitstellen des benötigten Holzmaterials
treppenbau.ch

CAD Work, Herisau / Dietrich’s, Neubiberg/München
BTL-CNC-Codeausgabe aus CAD Work und Dietrich‘s
cadwork.ch
dietrichs.com

Aufbau:
Mark Obexer, Urs von Bueren, Tobias Fehr, Anina Jaussi, Andreas Ferrazzini, Amon Mueller, Marcel Abegglen, Yonca Ayilmaztepe, Rachel Allamand, Kai Honegger, Luca Wuethrich, Andreas Zahnd, Liridon Nika, Sofia Rodriguez, Lukas Jordi, Andreas Michel; Hausdienst: Eugen Zoellig, Franco Pedone

  

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