Teilzeit oder Vollzeit studieren? Diese Frage stellt sich nicht nur Berufstätigen, die ihrer Arbeit weiter nachgehen wollen und Personen, die sich ihr Studium nebst einer Familie oder anderen Verpflichtungen selber finanzieren müssen. Immer mehr Studieninteressierte wählen ein Teilzeitstudium, um möglichst früh herauszufinden, ob sie die richtige Ausbildung gewählt haben. Dass die Studierenden dabei wichtige Berufserfahrungen sammeln, die ihnen später bei einer Neuanstellung zu gute kommen, ist ein attraktiver Nebeneffekt. Aber auch das Vollzeitstudium an der Fachhochschule bietet eine Menge Praxiskenntnisse. Wo liegen die Vorteile des Vollzeitstudiums? Und die des Teilzeitmodells?
Marcel Hegg ist Architekturstudent im 5. Semester in Burgdorf. In den ersten vier Semestern sammelte er während des Studiums Erfahrungen in einem Architekturbüro. Nun wechselt er für das 5. und 6. Semester in den Vollzeitmodus.
Marcel Hegg im Gespräch mit Barbara Hallmann von architektur und technik:
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Susanne Bachmann entschied sich wie Marcel Hegg und Marc Däppen an der Berner Fachhochschule Teilzeit zu studieren. Bereits der Techniker Tiefbau hF absolvierte sie im Teilzeitmodus. Nun studiert die 31-Jährige im 3. Semester Bauingenieurwesen. Ihre Erfahrungen erzählt sie im Gespräch. |
Warum entschieden Sie sich, Teilzeit zu studieren?
Für mich bedeutet Teilzeitstudium Selbstständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit. Ich habe bereits den Techniker Tiefbau hF im Teilzeitmodell abgeschlossen und habe gute Erfahrungen gemacht.
Arbeiten und Studieren. Führt das nicht zum Dauerstress?
Studieren und Arbeiten ist ziemlich intensiv. Wer nicht unter Dauerstress leiden will, muss sich gut organisieren und flexibel sein. Dann ist das aber kein Problem. Die Anforderungen sind hoch. Neben den Pflichtmodulen, die ich in Burgdorf belege, lerne ich oft zu Hause. Letztlich bleibt mir nun im Vergleich zu vorher, weniger Zeit der praktischen Arbeit nachzugehen.
Stand der Beruf «Bauingenieurin» immer als Karriereziel oder -teilziel fest?
Während der Ausbildung zum Techniker, plante ich noch nicht weiter. Für mich stand immer fest, dass mich Tiefbau interessiert. Und so entstand nach meinem Abschluss im 2008 der Wunsch, Bauingenieurin zu studieren.
«Studieren und Arbeiten ist ziemlich intensiv. Wer nicht unter Dauerstress leiden will, muss sich gut organisieren und flexibel sein».
Nun kommt Ihnen die fundierte langjährige Berufspraxis sicher zugute?
Auf jeden Fall. Einerseits profitierte ich davon, dass mir, dank der Techniker-Ausbildung bis zu 50 ECTS-Punkte ans Studium angerechnet werden. Ich habe gelernt, diszipliniert und möglichst effizient zu arbeiten. Trotzdem war es happig, wieder in die Schule zu gehen. Vor allem im 1. und 2. Semester musste ich mich in der Statik und Mathematik ins Zeug legen.
Unterscheidet sich Ihr Studienalltag abgesehen davon, dass Sie nicht jeden Tag an der Hochschule sind, von demjenigen Ihrer Vollzeitkommilitonen?
Wir absolvieren grundsätzlich jedes Modul mit den Vollzeitstudierenden. Ende des Studiums haben wir exakt die gleichen Module und Arbeiten erledigt wie Vollzeitstudierenden. Meine Studienfächer finden entweder vormittags oder nachmittags statt. Die Studienleitung unterstützt uns insofern sehr gut, als sie klare und transparente Teilzeitmodelle schafft. Ausserdem bedingt das Teilzeitstudium flankierend zur Arbeit auch Flexibilität des Arbeitgebers. Auch hier habe ich mit meinen Vorgesetzten bei Marti AG grosses Glück.
Was raten Sie Interessenten eines Teilzeitstudiums?
Erstens zu prüfen, wie bereit er oder sie zu flexiblen Arbeitszeiten ist. Zweitens, ob sie oder er verzichten kann: Mein Privatleben findet vor allem während der Semesterferien statt. Bei mir kommt momentan zum Beispiel der Sport zu kurz. Grundsätzlich muss ein starker Durchhaltewillen vorhanden sein.
«Ende des Studiums haben wir exakt die gleichen Module und Arbeiten erledigt wie Vollzeitstudierenden. Meine Studienfächer finden entweder vormittags oder nachmittags statt».
Und welche Vorteile geniessen Sie?
Ich finde das Gefühl schön, nicht auf andere angewiesen zu sein. Ich lebe mein eigenes Leben. Ausserdem stehen bei mir das Ziel und der Zweck vielleicht mehr im Vordergrund. Ich lerne grundsätzlich effektiv und gebe mir Mühe speditiv zu arbeiten.
Für Sie, Ihre Arbeitgeberin, die Marti AG und die Hochschule also eine Win-Win-Win-Situation?
Wahrscheinlich. Zwar finde ich ein paar spezifische Module wenig praxisbezogen. Vor allem in den exakten Wissenschaften. Da mir Mathematik im Allgemeinen Spass macht, ist das aber weiter kein Problem.
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Marc Däppen studiert im 3. Semester Teilzeit Bauingenieurwesen. Er schloss die C Matura ab, liess sich nach Abbruch eines Soziologiestudiums zum Vermessungszeichner ausbilden und studierte später Theologie. |
Soziologie, Theologie und Vermessungszeichner. Das ist bereits ein breites Berufsspektrum. Wie kamen Sie dazu, noch Bauingenieurwesen zu studieren?
Der Ingenieurberuf war ein Kindertraum. Nach dem Theologiestudium, entschied ich mich, zurück in die Wirtschaftswelt zu wechseln. Als mir Ueli Sennhauser, Dozent an der Berner Fachhochschule, vom neuen Teilzeitstudium erzählte, meldete ich mich nach intensiven Abklärungen an. Obwohl ich mit meiner Familie und am Arbeitsplatz bereist überaus gut ausgelastet bin. Wir gehören zu den ersten Studierenden, die ihr Bauingenieurstudium in Burgdorf in Teilzeit abschliessen.
Erfüllt das Studium Ihre Erwartungen?
Ja. Aber ohne feste Überzeugung, das Richtige zu tun, würde ich vielleicht abbrechen. Der Wechsel von Studium und Job pro Tag, das rasche Hin und Her, fordert mich sehr. Ich fühle mich häufig wie ein Fahrender. Überall, aber nirgends richtig zuhause. Das eine oder andere Pflichtfach scheint mir für Studentinnen und Studenten mit langjähriger Praxis allerdings fraglich. Vor allem, wenn der Praxisbezug nicht gegeben ist. Ich finde, dass mehr zwischen Pflicht- und Wahlmodulen variiert werden müsste.
«Wir gehören zu den ersten Studierenden, die ihr Bauingenieurstudium in Burgdorf in Teilzeit abschliessen. Aber ohne feste Überzeugung, das Richtige zu tun, würde ich vielleicht abbrechen».
Wie hoch ist die Flexibilität seitens Hochschule?
Im Grundstudium sind die Grundmodule gegeben. Anders ist es nicht möglich, die Basis aufzubauen. In dieser Phase ist der konsekutive Aufbau wichtig. In den Vertiefungen sind variable Modul-Modelle eventuell besser praktizierbar.
Wo liegt der Unterschied zu Ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen?
Die Studienleitung schrieb mir dank meiner Ausbildung als Vermessungstechniker und der Berufspraxis 28 ECTS gut. Ausserdem glaube ich, dass ich zielorientierter unterwegs bin. Der Praxisbezug bringt mir zudem einige Vorteile. Leider verpasse ich aber häufig Informelles. Tischtennis in der Pause oder auch die Teilnahme an der Baukulturwoche in Brüssel, wirken dem entgegen.
Profitiert auch der Arbeitgeber von Vorteilen? Oder hat dieser nur Nachteile?
Ich glaube, dass auch der Arbeitgeber profitiert. Ingenieure im Bauwesen sind Mangelware. Die Bereitschaft, Teilzeitmitarbeitende einzustellen und ihnen dadurch das Studium zu ermöglichen, ist daher gross.
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Andreas Kramer ist gelernter Schreiner und schloss eine Zusatzlehre als Innenausbauzeichner ab. Danach bildete er sich zum Bachelor of Science in Holztechnik (Vertiefungsrichtung Produktmanagement) an der Berner Fachhochschule aus. Anschliessend studiert Andreas Kramer berufsbegleitend im Masterstudiengang in Holztechnik mit Vertiefungsrichtung Management.
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Sie wählten einen Beruf, der einem der wichtigsten Schweizer Rohstoffe Rechnung trägt. Was sind die Berufsmöglichkeiten, die Sie nach Ende des Studiums zum Master of Engineering in Holztechnik erwarten?
Der ganz grosse Vorteil des Studiums ist die Breite der Möglichkeiten. Und natürlich, dass ich das Studium berufsbegleitend absolvieren kann. Die Studierenden vertiefen sich zwar in eine Richtung, aber diese schliesst andere Spezialisierungen in der Regel nicht aus. Von der Technik über das Produktmanagement bis zum Marketing gehört alles dazu, was man benötigt, um im künftigen Beruf erfolgreich zu sein.
Im Bachelorstudium lernen wir vor allem, selber Probleme zu lösen und flexibel zu denken – in analytischer und methodischer Hinsicht. Im weiterbildenden Masterstudium wird dieses Know-how verfeinert. So sind wir sehr gut auf die Praxis vorbereitet. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass sich erlerntes Fachwissen in der Praxis selten eins zu eins anwenden lässt. Jede Firma hat eigene Rahmenbedingungen und unterschiedliche Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Und neben dem Fachwissen werden von einem Mitarbeiter ja zu Recht auch Engagement und Sozialkompetenzen erwartet.
«Ich hatte das grosse Glück, nach Abschluss des Praktikums im Betrieb bleiben und berufsbegleitend das Masterstudium absolvieren zu können. Ich konnte sogar im Marketing einsteigen, wo es mir richtig gut gefällt. Wenn ich ehrlich bin, dann wünschte ich mir schon seit längerem, im Produktmarketing und -management zu arbeiten.»
Wissen Sie schon, in welcher Richtung Sie sich engagieren möchten?
Ich arbeite immer noch bei Girsberger (lacht). Ich hatte das grosse Glück, nach Abschluss des Praktikums bleiben und berufsbegleitend das Masterstudium absolvieren zu können. Ich konnte sogar im Marketing einsteigen, wo es mir richtig gut gefällt. Wenn ich ehrlich bin, dann wünschte ich mir schon seit längerem, im Produktmarketing und -management zu arbeiten. Dass ich diese Chance unmittelbar nach dem Bachelorstudium und erst noch in einem Vorzeigebetrieb der Möbelbranche erhielt, ist natürlich umso schöner. Zurzeit erarbeite ich den Mediaplan 2011 und bin für verschiedene Marketingprojekte verantwortlich.
«Die Ausbildung ist zum Glück nicht nur ingenieurtechnisch ausgerichtet. Wir befassen uns auch mit wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen oder gestalterischen Aspekten.»
Wie wird die Ausbildung den Bedürfnissen der Praxis gerecht?
Die Ausbildung ist zum Glück nicht nur ingenieurtechnisch ausgerichtet, auch wenn der Titel Holzingenieur oder Holztechnik das impliziert. Wir befassen uns auch mit wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen oder gestalterischen Aspekten. Diese sind genauso wichtig wie das Technische und werden von der Wirtschaft je länger, je mehr gefordert.