DE  FR  EN
Suchen  Medien  Jobs  Kontakt  Login
Es darf schallen – aber bitte leise!
 

Die Berner Fachhochschule und die EMPA eröffnen neuen Leichtbauprüfstand


So sieht Lärm aus: Eine Leichtbauplatte wird durch Schallwellen zum Schwingen gebracht. Um Prognosen über die Lärmdämmeigenschaften von Materialien und Komponenten errechnen zu können, müssen die so genannten Resonanzfrequenzen ermittelt werden, bei denen sich Objekte relativ leicht zum Schwingen anregen lassen – und dadurch Schall besonders schlecht dämmen. Für die Schwingungsanalysen kommen unter anderem Scanning-Laser-Vibrometer zum Einsatz.

 

Seit kurzem verfügen die Eidgenössische Materialprüfanstalt (Empa) und die Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau (BFH-AHB) über eine neue Forschungs- und Entwicklungsplattform, um die Schalldämmung von Gebäuden in Leichtbauweise zu verbessern. Damit lassen sich etwa mehrgeschossige Holzbauten «lärmschutzoptimieren».

 

 

Leichtbau ist gefragt: je länger, je mehr. Denn er schont Ressourcen – und Kosten, auch und vor allem in der Bauwirtschaft. Vor allem Holz als nachwachsender und damit nachhaltiger Rohstoff dürfte künftig als Baumaterial immer wichtiger werden. Doch ein gravierender Nachteil ist: Je weniger Material in einem Bauelement steckt, desto schlechter schützt es gegen Lärm, vor allem bei tiefen Frequenzen, also im als besonders störend empfundenen «Boom-Boom» des Bassbereichs.

Technisch lassen sich zwar auch Leichtbauten gegen Lärm isolieren, dies wird allerdings schnell einmal kompliziert und kostspielig. So müsste ein Leichtbau beispielsweise deutlich höhere Geschosse aufweisen, um dank dickerer Deckenaufbauten den gleichen Lärmschutz wie ein Haus in Massivbauweise zu bieten. Bei einer vorgegebenen maximalen Bauhöhe lassen sich also im Leichtbauhaus weniger Stockwerke verwirklichen – was wiederum den Ertrag beziehungsweise die Einnahmen senkt. Ausserdem sind die derzeit für die Planung verwendeten Berechnungsverfahren im Fall von Leichtbauten sehr unsicher; oft ist erst nach Fertigstellung klar, ob der gewünschte Lärmschutz mit den verwendeten Elementen und Materialien auch tatsächlich erreicht wurde.

 

Um diesen Umstand zu verbessern, hat die Empa gemeinsam mit der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel eine neue Forschungsinfrastruktur in Betrieb genommen – den Leichtbauprüfstand, eine 400 Quadratmeter grosse und rund zwölf Meter hohe Halle, in der je zwei über- beziehungsweise nebeneinander liegende Räume aus Leichtbauelementen aufgebaut und akustisch untersucht werden können. Damit lassen sich sowohl die vertikale als auch die horizontale sowie die diagonale Schallausbreitung von einem Raum auf die anderen bestimmen. Das Besondere an den Räumen: Sie ruhen auf separaten Bodenplatten aus Beton, die elastisch gelagert und damit vom übrigen Gebäude und voneinander schwingungsentkoppelt sind. Dies verhindert, dass sich Schallwellen über den Boden von einem Raum auf den benachbarten ausbreiten.

 

«Flankenübertragung» – das Problem des Leichtbaus
Denn genau in der Schallausbreitung – genauer gesagt: im Weg, den der Schall «einschlägt», um sich auszubreiten – liegt die Schwierigkeit im Leichtbau. Während es für Massivbauten genügt, die akustischen Dämmwerte einzelner Elemente wie Wände, Decken, Türen und Fenstern zu messen, um daraus die Lärmschutzeigenschaften des fertiggestellten Gebäudes vorherzusagen, funktioniert dies beim Leichtbau nicht. Die leichten Bauelemente lassen sich einfacher zum Schwingen anregen und übertragen den Schall dadurch in Längsrichtung besser auf die angrenzenden Bauteile.

Bei Leichtbauten müssen also sämtliche möglichen Wege berücksichtigt werden, über die sich der Schall ausbreiten kann, nicht nur der direkte, etwa durch die Wand in den nächsten Raum. Insgesamt gibt es bei Leichtbaukonstruktionen mindestens sechs zusätzliche Übertragungswege für den Lärm, verglichen mit dem Massivbau. Und all diese können im Leichtbauprüfstand separat akustisch vermessen werden.

 

 

Kontakt

Berner Fachhochschule

Architektur, Holz und Bau

Claudia Graber

 

+41 34 426 42 42